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ANFANG

26.10.2007  Nanjing

Am 24. Oktober um viertel vor Sechs abends Abflug von Berlin Tegel über München nach Schanghai. In München ein Aufenthalt von etwas über einer Stunde. Insgesamt vielleicht 13 Stunden Flug bis wir einigermaßen gequetscht und müde in Schanghai landen. Aber die Strapazen der Reise sind jetzt erstmal egal. Viola empfängt uns am Flughafen und begleitet uns zu einem kleinen Bus, der uns direkt in das ca. 4 Autostunden entfernte Nanjing bringen wird. Viola ist Chinesin und hat eigentlich auch einen chinesischen Namen. Wir sollten sie aber lieber Viola nennen, weil das einfacher für uns wäre.

Der Busfahrer lädt uns freundlich in seinen Bus ein, wir verstauen das Gepäck unter Sitzen und auf den freien Plätzen und versuchen, die Augen offen zu halten, um nichts zu verpassen. Es ist dunkel und Autobahn zwischen Schanghai und Nanjing. Ein zwei Mal halten wir an einem Rastplatz. Alle sind hellwach. Der erste Kontakt mit China. Die Supermärkte sehen anders aus. Es gibt auch einige Dinge, die uns fremd sind. Wir werden interessiert gemustert, lächeln zurück. Alles wirkt ganz friedlich.

Nach einer endlosen Fahrt erreichen wir Nanjing. Das Hotel ist eine Pracht. Und jeder ist sofort begeistert und freut sich auf einen langen erholsamen Schlaf.

Am nächsten Morgen geht es schon früh zur Bühne auf der “Deuschlandpromenade”. Man erzählt uns von den tollen Auftritten von 2Raumwohnung und Juli ein paar Tage zuvor. Das Festival ging ja insgesamt vom 19. bis zum 27. Oktober und außer den schon genannten Künstlern traten da noch Mia., Dadawa, eine chinesische Sängerin, DJ Dr. Motte und die Gebrüder Teichmann auf, um nur ein paar zu nennen. Wie wohl die Menschen in Nanjing das alles finden?

Schon beim vormittäglichen Soundcheck füllt sich der Platz vor der Bühne zwischen den Pavillons von Siemens, Bosch, BASF, der Deutschen Bank und den bayerischen Bierzelten. Okay, Deutschland präsentiert sich. Nach der Probe Mittagessen. Wir verteilen uns, wollen die Gegend erkunden. Taxifahren ist furchtbar billig. Es ist warm. Wir sind dem Herbst also noch mal entkommen und atmen das Fremde und Neue um uns. Ganz allmählich wird uns klar, wir sind in China.

Es ist übrigens komplett anders als wir uns das von Erzählungen und Berichten her vorgestellt haben, wenn wir uns was vorgestellt haben. Natürlich ist jeder von uns vor der Reise über Politik, Ausdehnung, Geschichte, Land und Leute informiert. Zwei von uns waren sogar vor 10 Jahren schon mal als junge abenteuerlustige Hüpfer in China. Aber China ist im enormen Wandel begriffen. Ein Riese, der erwacht, oder wie es immer so schön heißt.

Unser Auftritt soll gegen halb zehn anfangen. Vor uns spielt die Blaskapelle “Mannheimer Blech”. Im Dunkeln ist das Areal noch imposanter als bei Tageslicht. Zwei Hochhausfronten sind komplett mit LEDs verkleidet. Animationen huschen über viele hundert Quadratmeter, erhellen den Platz. Die Pavillons, die Bühne, die riesengroße Bibliothek hinter der Bühne, alles strahlt und sagt, hier passiert etwas.

Ein junger chinesischer Radiomoderator sagt uns an, wir laufen auf die Bühne und werden jubelnd begrüßt. Es gibt vor der Bühne so einen abgesperrten Bereich, in dem VIPs auf Stühlen sitzen dürfen. Francesco bittet sie gleich zu Beginn des Konzertes, aufzustehen. Und das funktioniert! Wir wollen alles geben, was wir haben. Spielen mit offenen Mündern in die Menge, vielleicht 3000 Menschen vor der Bühne. “Bye Bye Berlin” singt Francesco zumindest in der zweiten Strophe auf Chinesisch. Die Leute merken das und sind begeistert. Der Refrain geht dann übrigens “Zai jian Bo Lin”. Außerdem haben wir noch gelernt, wie man “Hallo” und “Danke” auf Chinesisch sagt. Und bedanken müssen wir uns bei ganz vielen Menschen an diesem Abend und den folgenden Tagen. Das Konzert wird wundervoll. Die Menschen verstehen unsere Sprache so wenig wie wir ihre. Das ist aber erstmal egal, weil es ein Anfang ist. Und der wird hier mit Musik gemacht.

Udo, einer der Organisatoren, sagt später zu mir, dass er froh ist, dass die Menschen hier gemerkt haben, dass die Deutschen nicht nur streng, ordentlich und diszipliniert sind. Er spricht von Herz und Gefühlen und ist glücklich, dass alles so gut gelaufen ist. Mit einem Freund aus einer anderen Band rede ich nach dem Konzert über all das. Er sagt: “Am Ende ist die Musik stärker als alle wirtschaftlichen Interessen”. Ich hoffe, er behält Recht. Später verlassen wir die Deutschlandpromenade in Richtung Abendessen. Überhaupt - das Essen! Es würde mindestens eine weitere Seite füllen, müsste ich beschreiben, wie gut es uns in China geschmeckt hat. Dabei bin ich schon am Ende meines kleinen Berichtes. Ich sage noch mal “Xièxiè” (Danke) für alles, was wir erleben durften. Wir erinnern uns an die lieben Menschen, die uns dort begleitet haben, uns erklärt haben, was wir nicht begreifen können. Danke an das Goetheinstitut. “Zai jian Nanjing”.
 
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