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DIE ÜBERGABE |
16.6.2006 Harare, Simbabwe |
Stefan: Simbabwe, was haben wir nicht alles im Vorfeld gehört. Enteignung, Vertreibung, Inflation... Mugabes Politik macht das Land kaputt. Sein Konterfei thront schon über dem Flughafen. In jedem Raum hängt dasselbe Foto von Mugabe. Wir werden vom 1. Kanzler der Botschaft abgeholt und durch ihn in unseren Vorurteilen bestätigt. Er würde uns hier nur deshalb abholen, weil die Strassen vom Flughafen in die Stadt nachts so gefährlich sind und man mit einem offiziellen Diplomatenwagen nicht angehalten wird. Er wurde auch schon überfallen, hat aber das Geld dann gleich aus den Taschen in die Luft geworfen. Clever!
So wirkt alles leicht bedrohlich, die Strassen dunkel und leer. Auch das Hotel macht eher einen zwielichtigen Eindruck. Olli und ich bekommen unsere Zimmer zuletzt. Der Mann von der Rezeption zeigt mir mein Zimmer, was sich Tür an Tür zu einem improvisierten Friseursalon befindet. Die Treppe runter führt direkt in die relativ laute Hotelbar. Er klopft erst vorsichtig an, bevor er mir die Tür aufschließt. Puh, zum Glück keiner drin. Bei Olli aber schon. Da sitzt tatsächlich einer im Zimmer und telefoniert! Olli ist ganz aufgeregt und nimmt gleich alle seine Wertsachen mit, um sie einzuschließen.
Auf den Schreck hin trinken wir erst einmal Bier in der Bar. Jan von der deutschen Botschaft möchte die Geldübergabe auch gleich regeln. Er hat eine Plastiktüte voll mit Geldbündeln dabei. Kein Wunder, bei einer Inflation von 1000%. Die Übergabe findet unter dem Tisch der Hotelbar statt. Filmreif. Meine Umhängetasche ist danach praktisch voll mit Scheinen.
Die Stimmung lockert sich langsam auf. Die Kellner sind total freundlich. Der Manager sagt, dass er sich freue uns als Gäste zu haben und die Getränke aufs Haus gehen. Eine leicht angeheiterte Afrikanerin spricht mich an, was wir Europäer denn hier tun? Ich kläre sie kurz auf und sie setzt sich gleich zu uns an den Tisch.
Zum Glück übernimmt dann Martin die Konversation mit ihr. Ihre Freundin wird auch an unseren Tisch gelotst. Sie ist aber entweder so zugedröhnt oder so müde, dass sie nur vor sich hin starrt und kein Wort spricht. Auf meine Frage hin, was sie denn so in Harare mache, sagt sie nur: "work!". O.k. das reicht mir auch als Antwort. |
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