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THIS IS A GUN-FREE ZONE

9.6.2006  Johannesburg, Südafrika

Francesco: Eine Dame vom Goethe-Begleitservice wies uns darauf hin, dass Südafrika nicht Afrika ist. Die Apartheid ist 11 Jahre her, aber nicht vergessen. Weiße und Schwarze sind im öffentlichen Raum selten gemeinsam anzutreffen.

Patrick: Die Menschen haben große Angst vor Verbrechen und Gewalt. Die Häuser, besonders im etwas reicheren Viertel Melville, sind von hohen Mauern und Stacheldraht umgeben. An den Mauern sind Schilder mit der Aufschrift "Armed Response" angebracht. Zwei Firmen teilen sich den Sicherheitsservice. "ADT" und "Chubb". Und wird mal nicht genug eingebrochen, so der Herr vom Goethe-Institut, organisieren diese Firmen eben selbst ein paar Einbrecher.

Jörg: ...Ja, schon traurig, wie sich die Gewalt hier hochgeschaukelt hat. Wer es sich leisten kann, baut sich seinen privaten Knast - der Rückzug ins Private und der Verlust des öffentlichen Raums (für Weiße). Trotzdem fühlt sich das Ganze sehr knorke an. Mann, wir sind in Afrika. Yeah! Gestern schon sehr nette Leute von der Crew kurz kennengelernt. Denke heute Abend wird man dann schon "mittendrin sein". Sind sehr gespannt, wie unser Sound hier aufgenommen wird. In 10 Stunden um die halbe Welt katapultiert – das sorgt für ein surreales Lebensgefühl. Da steh' ich ja eh drauf. Nun sitze ich hier – das erste Mal allein – im Café an der Shopping-Ecke und ein Lebenstraum erfüllt sich ganz entspannt so nebenbei.

Martin: Viel passiert in den letzten zwei Tagen. Vorgestern, am Freitag, hatten wir das erste Konzert in Südafrika in Johannesburg in einem Club im Stadtzentrum mit dem Namen Bassline. Während des Eröffnungsmatchs "D – Ecuador" spielen auf der großen Bühne 2 Jazzbands zum Fußballspiel.

Immer wenn die Ecuadorianer den Ball haben, improvisiert auf der einen Seite, vor großer Videoleinwand, eine afrikanische Jazzband und immer wenn die Deutschen am Ball sind, die deutsche Band, ebenfalls vor großer Leinwand. In der Mitte ein DJ, der immer bei Pausen oder Einwechslungen zum Einsatz kommt. Ein wildes Herumjammen. Nach dem Spiel unser Spiel. Erfreulicherweise bleiben recht viele Leute da. Ein MC mit Namen Flow kündigt uns an: "(...) If rock is a stone, these guys are a mountain". Wow. Wir spielen einige neue Songs. Highlight des Konzertes: Bei der Zugabe "Dilemma" bittet Francesco Flow auf die Bühne und es entsteht ein Hin und Her zwischen den beiden. Supersuper. Wir sind hingerissen. Danach abhotten mit Windhoek light zu House. Alle sind irgendwie "mittendrin" und irgendwann lernen wir nette Leute kennen, mit denen wir später noch das Kneipenviertel von Melville unsicher machen. Ein gelungener Abend, der für den ein oder anderen etwas länger geht...

Patrick: Der erste Konzertabend in "Joburg" war, wie Martin und Jörg schon beschrieben haben, überaus gelungen. Bleibt noch zu erwähnen, dass Flow, unser Anheizer, eine Mischung aus Gummiball und Old Dirty Bastard, nicht etwa Profirapper, sondern Schriftsteller ist. Und so verabschiedete er sich schon kurz nach dem Konzert mit dem Vorwand, er müsse noch ein Skript für ein Theater fertig schreiben, nicht ohne Francesco noch ein bisschen Gras in die Hand zu drücken, dass ihn, Jörg und mich auf eine Reise nach Swasiland schicken sollte.
 
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